Perinataltrauma IV

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Nabelschnurthemen

Sachlich gesehen, ist die Nabelschnur bei allen Säugetieren die Verbindung zwischen dem ungeborenen Leben und der Mutter. Sie garantiert die Nährstoffversorgung, die Sauerstoffzufuhr sowie die Kohlendioxidentsorgung. Dies geschieht über die in ihr verlaufenden zwei Nabelarterien sowie einer Nabelvene.
Beißen Muttertiere sie durch oder fällt sie einfach ab, so wird sie bei uns Menschen nach Geburt abgebunden und durchtrennt. Sie hört auf, zu pulsieren. Spätestens nach 10 Minuten ist das Band zwischen Mutter und Kind durchtrennt.
Wissenschaftlich gesehen, erfolgt dies durch die Abnahme der Durchblutung schmerzfrei.

Psychologisch gesehen, kann dies aber auch existentielle Bedrohung für das junge Leben darstellen: Während es noch mit der massiven Umstellung von intrauteriner zu extrauteriner Welt beschäftigt ist, wird ihm dabei auch noch die Versorgung zu allem, was es bisher kannte, genommen. Ein Gefühl von Verlust, Angst und auf sich allein gestellt sein, können die Folge sein.

Intrauterin stellt die Nabelschnur nicht nur eine Versorgungseinheit für das Kind sondern sehr viel mehr:

Es ist das erste Spielzeug in seinem Leben. Es erkundet sie, ertastet sie mit Händen und Füßen und drückt sie bisweilen aus, um die Dosis dessen, was es über sie erhält, kontrollieren zu können.
Dies ist ein natürlicher Vorgang, quasi ein Erkundungstripp, geschieht aber auch dann wenn es sich um Toxine (Alkohol und andere Drogen), Bestandteile schlechter Ernährung oder Stressoren handelt. In solch einem Fall kann die Nabelschnur zu einem echten Problem für das Kind werden. Es befindet sich in einem Dilemma: Es braucht sie zum Leben, kann sich aber nicht gegen das Unerwünschte schützen.

Auch kann sie (selbst induziert oder nicht) zur existentiellen Bedrohung für Babies Leben werden wenn sie sich um den Hals oder einen anderen Teil des Körpers legt. Neben den Kindern, die offensichtlich damit geboren werden, gibt es auch viele, bei denen dieser Zustand nur passager war.

All dies kann Spuren hinterlassen. Oft haben Kinder mit einer solchen Erfahrung ein unbändiges Interesse an Bändern, Tüchern, Schnüren, langen Haaren etc. Manche versuchen, das Erlebte zu Reproduzieren indem sie sich ein Seil immer wieder um den Hals legen. Therapeutisch begleitet können diese Erfahrungen in einem sicheren Rahmen aufgearbeitet werden.