Perinataltrauma I

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Reproduktionsmedizin

Im ersten Beitrag zum Thema Perinataltrauma soll es um die Reproduktionsmedizin gehen. Dieser Begriff umschreibt die Entstehung neuen Lebens durch medizintechnische Unterstützung seit den späten 1970ern. Man unterscheidet hierbei mehrere Verfahren:
IVI: Bei der Insemination werden Spermien im Vorfeld selektiert und bei optimaler Empfängnis in die Gebärmutterhöhle eingebracht. Zur Reifung und zum Eisprung werden meist Medikamente eingesetzt.
IVF: Bei der In-vitro-Fertilisation werden Ei-und Samenzelle in einem Reagenzglas zusammengebracht. In der Folge kommt es zur spontanen Befruchtung.
ICSI: Diese Methode unterscheidet sich vor Allem dadurch, dass sie bei geringer Beweglichkeit der Spermien eingesetzt wird. Die Samenzelle wird direkt in das Ei gespritzt.

Diesem fachlichen Bereich gegenüber stehen die sehr persönlichen und hoch emotionalen Erfahrungen von Eltern und Kindern gegenüber. Künstlich empfangen ist das Gegenteil von Natürlich und beinhaltet somit eine Reihe von anderen Gedanken, die sich Paare über sich und ihr Kind machen:
– die psychische Belastung, die die medizinische Interventionen mit sich bringt,
– die Angst vor dem, was kommen mag und was die künstliche Befruchtung für das Kind bedeutet,
– die Sorge, einen Misserfolg nicht verkraften zu können,
– die Furcht davor, dass diese Sorgen das spätere Leben mit dem Kind negativ beeinflussen können, uvm.

Aber wie fühlt sich dieser Eingriff von Seiten eines Kindes an?

Es erlebt schon in der Entstehung eine Machtübernahme, gegen die es sich nicht wehren kann. Im späteren Leben wird es immer wieder Fragen zu Geschwistern geben. Auch vermissen sie den geschützten Raum. Es fehlt ihm die Wanderung, die ein befruchtetes Ei normalerweise durchmacht: Die Reise durch den Eileiter zur Gebärmutter. Hier wird das Ei begleitet und erreicht sicher sein Ziel. Bei Kindern aus künstlicher Befruchtung fehlt diese Erfahrung. Es kann zu Desorientierung, Wut und Auflehnung kommen weil schon die Entstehung nicht selbst initiiert war sondern abgenommen wurde.
Körpersprachlich zeigen sich evtl. Nachspielen der eigenen Geburt oder ein wiederkehrendes „Spiel“, in dem das Kind eine Rückwärtsrolle oder Ansätze Derselben macht.
Festzuhalten ist, dass die Ei- und Samenzellen andere Erfahrungen auf künstlichem Wege machen denn auf Natürlichem. Dies soll wertfrei verstanden werden.
Eltern, denen diese Reise bevorsteht, können ihrem Kind von Anfang an helfen, indem sie es Willkommen heißen, sich einfühlen, Gespräche untereinander über ihre Emotionen führen, mit großer Aufmerksamkeit im Labor sind, gut aufeinander aufpassen, sich physisch z.B. durch einen Osteopathen begleiten lassen und auch lernen, Abschied zu nehmen. Denn auch eine Geburt bedeutet, „wieder loslassen zu dürfen“.
(Quelle: Praxis für klassische osteopathische Medizin und Naturheilverfahren; isppm)

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